Haar getütet – nachhaltig gefärbt! |Haar getütet – nachhaltig gefärbt!
Idee eines Friseurmeisters aus Oberhausen schont die Umwelt

Aluminiumfolie durch Papiertüten ersetzt/
mehr Komfort in der Handhabung – Farbergebnis sehr gut/

Der Gedanke etwas für die Umwelt zu tun liegt dem Friseurmeister Dirk Gaj schon lange am Herzen. Bei einem Aufenthalt in einem „klimaneutralen“ Hotel kam ihm die Idee: Etwas für den Klimaschutz im eigenen Betrieb tun. Aber wo ansetzen, um einen Friseursalon etwas „grüner“ werden zu lassen? Bei genauerer Betrachtung alltäglicher Tätigkeiten sprühte schnell der erste Funke: Aluminiumfolie durch einen nachwachsenden Rohstoff, wie z.B. Holz in Form von Papier, ersetzen. „Ich habe hochgerechnet, wie viele Rollen Folie wir im Monat verbrauchen, um bei unseren vorwiegend weiblichen Kunden Haarsträhnen einzufärben. Dabei kam ich auf 10 Rollen“, so Gaj.

Das klingt nicht nach Viel, ist aber bedeutend für das gesamte Friseurhandwerk. Selbst wenn nur in 80 Prozent der Friseursalons bundesweit die Alufolie ersetzt wird, dann werden 640.000 Rollen im Monat eingespart. Das schont die Ressource und hilft Energie einzusparen.
In der Verpackungsindustrie werden schon seit längerem Verpackungsmaterialien aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt. Die meist klaren Folien eignen sich aber für die Anwendung im Friseurhandwerk nicht. Die Anforderungen an das Papier sind vor allem in der Handhabung und Beständigkeit hoch. Es darf weder von den Haarfärbemitteln angreifbar sein, noch darf es beim Entfernen ziepen. Auch der Zeitaufwand des „In-Form-Schneidens“ von Papier darf nur gering sein.
Nach einigen Versuchen mit unterschiedlichen Papierarten und Formen hatte er während des Einkaufs die zündende Idee: Papiertüten von einem namhaften Hersteller. Diese sind leicht formbar, haben die richtige Breite und ausreichende Stabilität bei Berührung mit den Haarfärbemitteln. Auch der ökologische Gedanke kommt dabei nicht zu kurz, denn der Zellstoff, Grundlage der Papiertüten, wird aus Holz von vorbildlich bewirtschafteten Wäldern (FSC) hergestellt. Zudem sind sie vollständig komposttierbar.
Auf die Frage „Wie den Kundinnen und Kunden die Papiertüte schmackhaft gemacht wird“, lächelt der Friseurmeister nur. Er nutze den Überraschungsmoment aus, denn seine Kundinnen vertrauen ihm. Außerdem sei das Resultat das gleiche wie beim Einsatz von Alufolie, so Gaj. Die Kundinnen sind angenehm überrascht, denn beim Einwickeln und Entfernen raschle es nicht mehr. Auch das störende Ziepen beim Entfernen der Papiertüten entfalle.
Der Friseurmeister mutmaßt weiter, dass die Verwendung der Papiertüten auch einen haarschonenden Effekt hat. Den Grund sieht er in der Durchlässigkeit für Stoffe wie Ammoniak, die beim Färbeprozess entstehen. Entweicht also das Ammoniak, so kann es die Haarstruktur nicht weiter angreifen. Alufolie sei hingegen gas- und luftdicht. Hier fehlen aber noch wissenschaftliche Studien.
Gaj sieht auch weiteres Entwicklungspotenzial in der einfachen Papiertüte. So könnten zum Beispiel Papiertüten in verschiedenen Farben als Orientierungshilfe dienen. Und das immer dann, wenn Strähnchen einen unterschiedlichen Farbton erhalten sollen, z. B. gelbe Papiertüten für blonde oder violette für bordeaux farbene Strähnchen. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Was den ökologischen Gedanken betrifft, so sieht sich der Friseurmeister als Vorreiter für das gesamte Friseurhandwerk. Er möchte noch viele seiner Kolleginnen und Kollegen von seiner Idee überzeugen. Dabei kommt es Gaj nicht auf eine finanzielle Einsparung an – im Gegenteil: die Papiertüte ist sogar noch etwas teurer im Gebrauch – sondern nur auf das gute Gefühl etwas für die Nachwelt getan zu haben.